Kreisverband Ravensburg

Tierärztin Karin Ulich zur Agrarpolitik und Massentierhaltung

Datum: 
09.02.2011

Der Leser möge sich selber über die Brisanz und Wichtigkeit des Artikels ein Bild machen!

(Ein Artikel, den die Schwäbische nicht bereit war zu veröffentlichen, da der "klare lokale Bezug" fehle.) Jeder einzelne Verbraucher entscheidet mit seinem Essverhalten über Klimaaufheizung, über Hunger in der dritten Welt oder über Wohlergehen oder Leid der Tiere (Stichwort Massentierhaltung). Die Lobbyisten der Agrarlobby nehmen währenddessen den Begriff der "Nachhaltigkeit" für sich in Anspruch. Siehe auch am Ende des Artikels die kurzen Stellungnahmen vom ÖDP-Kreisvorsitzenden Peter Schröder und von der ÖDP-Landtagskandidatin Christa Gnann.

Fast 40 Besucher kamen zu einer Veranstaltung der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP), bei der es unter dem Titel "Was kostet uns die Massentierhaltung?" um Kernfragen der heutigen Landwirtschaftspolitik und deren Einfluss auf unsere Ernährung ging.

Referentin war die Tierärztin Karin Ulich aus Sigmarszell, Vorsitzende des Vereins „Tier & Mensch e.V.“ und Mitglied im ÖDP-Bundesarbeitskreis Landwirtschaft, Tierschutz, Gentechnik.

Engagiert nahm die Referentin zur jetzigen Landwirtschaftspolitik Stellung: Dioxin- und BSE-Skandal, Vogelgrippe- oder Schweinegrippe-Erreger, Botulismusvergiftung durch Biogasanlagen bei Tier und Mensch. Mit strengerer Kontrolle als bisher seien diese Probleme nicht in den Griff zu kriegen und der nächste Skandal lauere vor der Tür, denn die Ursache sei das System der weltweit praktizierten industriellen Massentierhaltung. Es gehe zudem nicht nur um Tierschutz, um die Gesundheit des örtlichen Verbrauchers oder darum, klein strukturierte Betriebe der regionalen Landwirtschaft zu erhalten und den Landwirten bessere Arbeitsbedingungen bei einem erträglichen Einkommen zu ermöglichen. Es gehe bei diesem Thema letztlich um unser aller Überleben auf dem Planeten Erde mit seinen begrenzten Ressourcen. Das erläuterte Karin Ulich mit sehr detaillierten Argumenten und unter Bezug auf den u.a. auch von Misereor und Greenpeace mit unterstützten Weltagrarbericht, aus dem mehr als deutlich würde, dass die heute praktizierte Landwirtschaftspolitik ein Hauptfaktor des Klimawandels und der Umweltzerstörung sei, ganz abgesehen von dem ethischen Aspekt, dass "das Vieh der Reichen das Brot der Armen" essen würde.

"Wie sieht bei Deinem Frühstück, Mittagessen oder Abendessen Dein ökologischer Fußabdruck aus?", fragte die Tierärztin die Anwesenden stellvertretend für jeden Verbraucher: "Auf unseren Tellern entscheiden wir mit über die Zukunft des Planeten Erde".

Unter den Zuhörern waren neben interessierten Verbrauchern auch Bauern und Tierärztinnen. Sie erfuhren auf der Suche nach Transparenz und Lösungsansätzen, dass der Schlüssel der Probleme bei einer regionalen, ökologischen und bäuerlichen Landwirtschaft liege und einer weitgehend pflanzlichen Ernährung. Durch eine von der ÖDP organisierte Brotzeit mit veganen Aufstrichen wurde beispielhaft aufgezeigt, dass es wohlschmeckende Alternativen zu Wurst und Käse gibt.

In besonderer Weise aber schlug das Herz der Referentin für das "arme, gequälte Mitgeschöpf Tier", das fühle und Leid empfinde und auf eine entsetzliche Weise im Rahmen unserer Agrarpolitik gegen zahlreiche Paragraphen des Tierschutzgesetzes als reines Profitobjekt industriell mit größtmöglichem Profit ausgebeutet würde. Als Beispiel für die "massive Irreführung des Verbrauchers und als Hohn ohne Gleichen" bezeichnet Karin Ulich es, dass sich "die Lobbyisten des Agrar-Business" in einem Verband zusammengefunden haben, dem sie den Namen "Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft e.V." gegeben haben (FNL). Agrarministerin Ilse Aigner handele zudem leider in weitestgehender Abhängigkeit der mächtigen Konzerne.

Der ÖDP-Kreisvorsitzende Peter Schröder, der den Abend leitete, bezeichnete die Massentierhaltung als "massiven Widerspruch gegen alle Wertmaßstäbe aus Christentum und Humanismus". Nach der Bibel seien die Tiere "von Gott gesegnete Mitgeschöpfe" (1. Mose 1,22), mit denen Gott sogar im Rahmen der Arche-Noah-Geschichte (1.Mose 9,9-10) einen Bund schließt.

Eingangs des Abends hatte Christa Gnann, stellvertretende ÖDP-Kreisvorsitzende und Landtagskandidatin der ÖDP, ihre politischen Ziele in kurzer Form dargestellt. Als wichtigstes Unterscheidungsmerkmal der ÖDP zu anderen Parteien nannte sie im Rahmen dieser Darstellung, dass die ÖDP laut ihrer Satzung keine Firmen- und Verbandsspenden annehmen darf. Lobbyismus und Klientelpolitik seien aber leider ein Kernproblem der heutigen Politik.

Peter Schröder