Kreisverband Ravensburg

Antrag des KV Ravensburg zum ödp-Bundesparteitag vom 24.25.April 2010

Der Antrag "Für eine zukunftsfähige und nachhaltige Nutztierhaltung auf bäuerlichen Betrieben -  gegen Agrarfabriken" wurde am 25.4. bei wenigen Gegenstimmen und Enthaltungen ohne Änderungen auf dem ÖDP-Bundesparteitag in Eisenach beschlossen.

Vorweg zwei Links zur vertiefenden Information.

http://oedp.de/files/pdf/programme/BundespolitischesProgramm.pdf (Tierschutz auf S. 16)

ödp.de Geiz ist nicht geil, sondern ekelhaft und schlimm (der Wert der Tiere aus christlicher Sicht)

Antrag zur Massentierhaltung

Fast alle Fleischprodukte in unserer Gesellschaft, die angeboten werden, kommen aus tierquälerischer Massentierhaltung. Deshalb sind sie so billig und deshalb essen die meisten Menschen so viel Fleisch. Hier ist ein Umdenken unbedingt notwendig.

Massentierhaltung ist unethisch. Sie ist zudem nicht nur extrem tierquälerisch, sondern auch auf vielfältige Weise schädlich und gefährlich.

Massentierhaltung
ist Raubbau an der Natur, weil durch sie Landschaften zerstört und Urwälder unwiederbringlich vernichtet werden
ist tödlich für die Menschen in der Dritten Welt, weil unsere Nutztiere ihnen die Nahrung wegfressen
ist schädlich für die Umwelt, weil Boden und  Grundwasser durch Gülle und Gifte belastet werden
ist nachteilig für das Klima, weil die riesige Anzahl der Nutztiere die Atmosphäre mit Methangasen belastet
Ist qualvoll für die Tiere, weil diese in engen Boxen oder Käfigen dahinvegetieren müssen
ist gefährlich für unsere Gesundheit, weil wir zu übermäßigem Fleischkonsum verführt werden
ist unverantwortlich der Gesellschaft gegenüber, weil sie Brutstätte für Infektionserreger und Seuchen ist.

Was heißt das?

Raubbau an der Natur:
Vor allem in Südamerika werden die Urwälder abgeholzt, um Weideflächen für Rinder und riesige Sojafelder für Viehfutter anzulegen. Alles wird in die Industriestaaten exportiert. Die Ureinwohner verarmen.
Tödlich für die Menschen in der Dritten Welt:
Die Hälfte aller weltweit erzeugten pflanzlichen Nahrungsmittel wird an unsere Nutztiere verfüttert. Dabei geht der größte Teil der Nährenergie verloren. Weil ausgehend vom Vorbild der westlichen Länder weltweit immer mehr Fleisch gegessen wird, müssen immer mehr Futtermittel produziert werden. Deshalb sind die Lebensmittelpreise in vielen Ländern der dritten Welt drastisch angestiegen und die Zahl der Hungernden hat erschreckend zugenommen.
Schädlich für die Umwelt:
Die ungeheuren Mengen an Gülle, oft mit Pestiziden, Antibiotika  Krankheitskeimen und Medikamentenrückständen belastet, verseuchen Erde und Grundwasser. Damit wird auch das Waldsterben gefördert.

Nachteilig für das Klima:
Jeder kann es wissen: Die Nutztiere, der intensive Anbau von Futtergetreide, die Verarbeitung der Tierprodukte und die z.T. sehr langen Transportwege tragen erheblich zur Verseuchung der Atmosphäre bei. Ein Viertel oder sogar erheblich mehr der schädlichen Belastung (CO2, Methan- und Lachgas) kommen aus den Folgen der intensiven Landwirtschaft, vorwiegend von der Tierhaltung. (Siehe dazu den Weltagrarbericht, Auszüge und Links im Anhang)
Qualvoll für die Tiere:
Die Massentierhaltung gibt es in Europa erst seit 60 Jahren. Vor dem Krieg wurden die Tiere, vor allem Ge- flügel, meist artgerecht gehalten. Dann kamen die Tierfabriken, in denen die Tiere immer enger zusammenpresst wurden, um mehr Profit zu erzielen. Also entwickelte man neue Züchtungen: Qualzuchten. Puten, Hühner, Milchkühe müssen in immer kürzeren Zeiten mehr Fleisch, mehr Milch, mehr Eier liefern, mehr "Leistung bringen" 
Gefährlich für unsere Gesundheit:
Der übermäßig hohe Fleischkonsum (dreimal so viel wie vor dem Krieg) verursacht besonders im Alter viele Krankheiten: Rheuma, Arteriosklerose, Krebs, Herz- und Zuckerkrankheiten. Das ist bewiesen. Denn nicht nur Zucker und Fett, sondern auch zu viel tierisches Eiweiß ist ungesund.
Unverantwortlich der Gesellschaft gegenüber:
Gefährliche Infektionskrankheiten haben ihre Brutstätten in den Massentierhaltungen. Dazu gehören Salmonellen, Campylobakter und Vogelgrippe. Weltweite Transporte sorgen für schnelle Verbreitung. mehr als 90% der Schweine in Massentierhaltungen sind Träger verschiedener Influenzavirenarten, die, wie die "Schweinegrippe"  gezeigt hat, u.U. für den Menschen ansteckend sein können.

Deshalb lehnt die Ökologisch-Demokratische Partei (ödp) Massentierhaltung strikt ab. Sie tritt ein für eine zukunftsfähige und nachhaltige Nutztierhaltung auf bäuerlichen Betrieben -  gegen Agrarfabriken. Die  ödp schließt sich den Forderungen des Netzwerks „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ an:

Agrarsubventionen müssen strikt an Leistungen für den Tier- und Umweltschutz gekoppelt werden. Die Tierschutzstandards sind anzuheben. Bei der Planung neuer Ställe müssen die Bürger deutlich besser als bisher beteiligt werden. Die Tierhaltungsformen  müssen auf allen Lebensmitteln gut sichtbar angegeben werden entsprechend dem Vorbild der Eierkennzeichnung. Die regionale Futtermittelerzeugung muss gestärkt werden und heimische Futtermittel müssen ohne Gentechnik produziert werden. Importierte tierische Lebensmittel, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln erzeugt wurden, müssen verbindlich gekennzeichnet werden.

 

Zur vertiefenden Begründung unseres Antrags siehe folgenden Text aus dem Newsletter vom 26.1.2010 von „Nachrichten von Vieh“  (www.vieh-ev.de) sowie Auszüge und Links aus dem Weltagrarbericht:

Berlin: Mitglieder von über 60 Bürgerinitiativen, von Bauern-, Tierschutz- und Umweltverbänden demonstrierten in Berlin anlässlich der Eröffnung der Internationalen Grünen Woche durch Agrarministerin Ilse Aigner gegen die industrielle Massentierhaltung. Die in dem Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ zusammengeschlossenen Aktivisten stiegen vor dem Internationalen Congress Centrum Berlin (ICC Berlin) aus einem Viehtransporter. Auf Bannern forderten sie von Agrarministerin Aigner ein Umsteuern in der Agrarpolitik zugunsten von Bauernhöfen statt von Agrarfabriken. Auf der Grünen Woche wolle die Agrarindustrie ein möglichst naturnahes und tierfreundliches Bild abgegeben. Fakt sei jedoch, dass der größte Teil aller Nutztiere ihr kurzes Leben in Massentierhaltungen unter tierquälerischen Bedingungen fristeten, so die Kritik des Netzwerkes. Sievert Lorenzen, Vorsitzender von PROVIEH: „Eine überwältigende Mehrheit der Bürger erwartet, dass ihre Lebensmittel tier- und umweltgerecht erzeugt werden. Auch Agrarministerin Aigner hat kürzlich aus Klimaschutzgründen eine Halbierung des Fleischkonsums empfohlen. Mit ihrer Agrarpolitik fördert sie jedoch die fortschreitende Industrialisierung der Tierproduktion. Das geht zu Lasten der Umwelt, der Tiere und der Anwohner von Tierhaltungsanlagen. Gleichzeitig werden tausende bäuerliche Familien durch das Überschwemmen der Märkte mit Billigfleisch in den Ruin getrieben.“
In Deutschland gebe es einen Trend zu immer größeren Ställen. Broilermastanlagen fassten bis zu 600 000 Tiere, Schweinemastanlagen bis zu 90 000 Tiere. Viele bäuerliche Betriebe seien der Billigkonkurrenz nicht gewachsen und müssten aufgeben. Unter der Ausweitung der Massentierhaltung und der damit einhergehenden Geruchsbelästigung durch Gülle und Tiertransporte litten auch die Lebens- und Erholungsqualität in den Regionen. Andere Wirtschaftssektoren wie Tourismus und nachhaltige Tierhaltung würden dadurch extrem eingeschränkt.
Das Netzwerk forderte, künftig alle Agrarsubventionen strikt an Leistungen für den Tier- und Umweltschutz zu koppeln und die Tierschutzstandards anzuheben. Das Bündnis forderte zudem eine deutlich verbesserte Bürgerbeteiligung bei der Planung neuer Ställe, die Kennzeichnung der Tierhaltungsformen auf allen Lebensmitteln entsprechend dem Vorbild der Eierkennzeichnung sowie die Stärkung der regionalen Futtermittelerzeugung.

Das Forderungspapier des Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ steht im Internet unter http://nl.xeu.de/j.cfm?i=390424&k=86196

Auszüge und Links aus dem Weltagrarbericht (http://www.weltagrarbericht.de/),
der u.a. vom Nabu, von Greenpeace und Misereor unterstützt wird:
http://www.weltagrarbericht.de/themen-des-weltagrarberichtes/klima-und-energie.html: Heute gehört die Landwirtschaft zu den größten Klimasündern weltweit. Vor allem die Brandrodung tropischer Regenwaldgebiete zur Schaffung neuen Ackerlandes, die Freisetzung von Kohlenstoff aus Ackerböden und der Ausstoß der hochpotenten Klimagase Methan (CH4, 20facher CO2-Effekt) und Lachgas (N2O, 300facher CO2-Effekt) sorgen für diese schlechte Bilanz. Die Landwirtschaft und die landwirtschaftliche Bodennutzung tragen inzwischen mit 31 % erheblich zum globalen Treibhauseffekt bei. Zählt man hierzu noch den gewerblichen und privaten Anteile der Produktion, Verarbeitung, Verteilung, Kühlung, Zubereitung und Entsorgung von Lebensmitteln und anderen Agrarprodukten, ergibt sich, dass rund 40 % aller menschlichen Klimagasemissionen von der Art und Weise abhängen wie wir uns ernähren und Landwirtschaft betreiben. Dabei klafft die Klima-Bilanz unterschiedlicher Anbaumethoden und Ernährungssysteme häufig weit auseinander.